Veggietag: ein Selbstversuch – und die Konsequenzen

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von: am: 07.10.2011 in: Persönliches

Der Durchschnittsdeutsche isst im Laufe seines Lebens 1094 Tiere: 4 Kühe oder Kälber, 4 Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine, 945 Hühner und noch unzählige Meerestiere. Wenn ich mir die alle auf einmal vorstelle – dann finde ich das ganz schön erschreckend. Würde jeder wöchentlich einen fleischfreien Tag einlegen, könnten jährlich 157 Millionen Tiere vor der Schlachtbank verschont werden, hat der Vegetarierbund errechnet. Deshalb gibt es seit einiger Zeit die Aktion Donnerstag ist Veggietag” – einen Tag in der Woche soll jeder auf Fleisch verzichten. Ich brauche nicht täglich Tier auf dem Teller. Also, eine zu leichte Übung, hab ich mir gedacht – und habe also den Welt-Vegetariertag am 1. Oktober für mich zum veganen Tag erklärt. Und so war´s.

Bei der Kleider-Auswahl die erste Skepsis

Praktischerweise ist der 1. Oktober ein Samstag, ich bin also schon mal keiner Kantinen-Versuchung ausgesetzt. Das Frühstück geht noch ganz locker: Margarine ersetzt Butter, Sojamilch die Kuhmilch, Brot und Müsli sind “tierfrei” und den Kaffee trinke ich sowieso schwarz. Bis hierher kommt mir alles sehr leicht vor.

Zum Glück ist es auch sehr warm…  ich habe nämlich festgestellt, dass ich nur zwei Paar lederfreie Schuhe habe, und eins davon sind Flip-Flops. Vor meinem Kleiderschrank packt mich die erste Skepsis: Auf Lederschuhe verzichten? Und auf meine heißgeliebten Wollpullover im Winter? Ungern…  aber noch ist ja Sommer und ein Baumwoll-T-Shirt reicht.

Auf zum Mittagessen…

Zum Mittagessen gibt´s Kartoffeln und Gemüse. Nicht sehr einfallsreich, das gebe ich zu, aber ich habe nun mal Appetit auf Broccoli und keine Lust, erst lange nach einem tollen Rezept zu suchen. Leider bin ich ein ziemlicher Kochmuffel, deshalb gehe ich wochentags auch meist in die Kantine. Kartoffel und Gemüse schreien geradezu nach einem Schnitzel…  ich ahne: in der Kantine vegetarisch oder gar vegan zu essen, würde schwierig. Ich müsste definitiv meine Kochkünste erweitern.

Abendbrot: Leider nicht sehr abwechslungsreich

Auf tierische Produkte wie Käse und Eier zu verzichten, fällt mir auch schwer; diese Erkenntnis trifft mich spätestens beim Abendbrot. Genau: Bei mir heißt das Abendbrot statt Abendessen, weil ich in der Regel eben Brot esse, eine “Knifte” – bin halt klassisch westfälisch sozialisiert. Auf Wurst aus Supermarkt-Plastikverpackungen zu verzichten, fällt mir leicht; die schmeckt eh ein bisschen eklig, finde ich. Auch die Kniften-Alternativen fallen heute aus: Kein Rührei mit Krabben, keine Tomaten mit Mozzarella…  Veganer Brotaufstrich ist für meinen Gaumen auch erstmal kein Highlight. Und nun? Salat geht. Ist auch gesünder. Ich esse noch eine Banane und eine halbe Melone und bin ein bisschen frustriert, weil ich mich jetzt nichtmals mit Schokolade trösten kann. Chips sind jedoch okay. Na ja, unter dem veganen Aspekt zumindest. Und was mache ich nun mit meinen Erkenntnissen?

Dem Fleisch treu bleiben?

Mein Fazit nach einem “Veggietag“: Veganer werde ich wohl nicht. Ich finde es okay, eine Kuh zu melken und ein Schaf zu scheren; auch das Leder der Tiere zu verarbeiten, finde ich nicht verwerflich. Allerdings sollen sie für mich nicht leiden müssen – wie zum Beispiel Käfighennen oder Supermastschweine. Ich kaufe schon lange Eier und Fleisch aus Biobetrieben, in der Hoffnung, dass die Tiere es dort zumindest vor ihrem Tod gut haben. In die Kantine bin ich bisher aber trotzdem gegangen, und vor Currywurst war ich dort auch nicht fies. Hm. Ich bin faul, ja – aber nur aus Bequemlichkeit weiter etwas mitmachen, was ich im Grunde für falsch halte? Gegen meine eigenen Werte handeln?… Außerdem gibt es noch ein gutes Argument, um den Fleischkonsum einzuschränken: Treibhauseffekt und Klimawandel werden auch durch die ganze globale Viehzucht vorangetrieben; der Ausstoß an Treibhausgasen ist tatsächlich beachtlich. Habt Ihr mal Euren ökologischen Fußabdruck gemessen? Puh… mein Fuß ist zu groß für diese Welt; das muss sich ändern.

“Teilzeit-Vegetarier” lautet meine vorläufige Lösung

Also lautet der Entschluss: Ich werde erstmal “Teilzeit-Vegetarier” unter der Woche; verzichte auf Fleisch, bei dem ich nicht weiß, wo es herkommt. Kantinenvegetarier, könnte man auch sagen. Dadurch wird sich mein Fleischkonsum automatisch reduzieren. Vielleicht werde ich am Ende ja Vegetarier…  bis dahin erlaube ich mir am Wochenende einen “Bio-Braten” als Ausnahme, nach dem Motto “Return of the Sonntagsbraten”. (Für Köln-Mülheimer: Gibt´s hier um die Ecke, im Jakubowski!) Und ich freue mich über vegetarische Kochrezepte…  möglichst einfach, okay? Danke!

 

 


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