Heute beginnt sie wieder, die Fastenzeit; oder wie die evangelische Fastenaktion seit Jahren titelt: “7 Wochen ohne…”. Aber ohne was?
“Carne vale” heißt “Fleisch, lebe wohl” und ist ein Hinweis auf den traditionellen Fleischverzicht in der christlichen Fastenzeit. Ein Thema, das natürlich auch außerhalb der Kirche von Vegetariern und Veganern gerne aufgegriffen wird und voll im Trend liegt.
Die Fastenaktion der evangelischen Kirche trägt dieses Jahr den Titel “7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz“. Mit dem Untertitel “gut genug” lädt sie dazu ein, sieben Wochen lang aus dem ständigen Effizienz- und Optimierungsehrgeiz auszusteigen; es “gut sein zu lassen” und zu schauen, wo man auch einfach mal zufrieden sein kann – mit dem, was man hat oder kann. Ein schöner Gedanke, finde ich… und ein Hinweis darauf, dass die Fastenzeit längst mehr Möglichkeiten bietet, als auf Fleisch und Alkohol zu verzichten.
Verzicht ist offenbar “in”. Diesen Trend hat Martina schon letztes Jahr erkannt. Außerdem hatten wir hier schon das Thema “Veggietag” zum regelmäßigen Fleischverzicht und den “Kauf-nix-Tag” mit dem Appell, mal komplett ohne Konsum zu leben. Was ist am Verzicht so “sexy”, dass das Thema immer wieder auftaucht?
Nun, abgesehen von spirituellen Aspekten ist es einfach spannend, die eigene Willenskraft auszutesten und zu erfahren, ob man den inneren Schweinehund an die Leine legen kann. Wenn man sich freiwillig einen Verzicht auferlegt und diesen dann auch durchhält, hat man allen Grund, stolz auf sich zu sein! Damit das klappt und nicht der Schweinehund am Ende gewinnt, sollten Fastenwillige ein paar Voraussetzungen beachten:
- Kenne deine Beweggründe und triff eine selbstbestimmte Entscheidung. Fasten, nur weil´s angesagt ist, funktioniert selten; aber wenn du weißt, was du willst und warum du es willst, wirst du auch Erfolg haben.
- Formuliere dein Ziel realistisch und überschaubar. Ein völliger Verzicht auf Internet-Aktivitäten zum Beispiel ist für die meisten von uns schlicht unrealistisch. Wer “online-fasten” will, sollte statt einer “Nulldiät” besser planen, wann und wie lange er sich das surfen erlaubt – und sich dann daran halten.
- Belohne dich, auch für Etappenziele. Eine Woche geschafft, nicht mehr als “erlaubt” im Internet gesurft? Gratulation! Gönn dir zur Belohnung einen Kinobesuch oder was immer du schon lange mal wieder tun wolltest. Bis Ostern durchgehalten? Super! Jetzt gibt´s die Belohnung, die du dir am Anfang der Fastenzeit (also heute!) selber versprochen hast.
So, jetzt bin ich gespannt, wie es mir selber damit geht… Ich habe mir “Fernsehfasten” vorgenommen; mein innerer Schweinehund bleibt mir viel zu oft träge vor der Glotze liegen. Zum Ausgleich habe ich einen Stapel Bücher bereit gelegt, die ich schon lange mal lesen wollte; und zur Belohnung habe ich mir einen Theaterbesuch versprochen. Wenn ich durchhalte, werde ich mir Ostern auf die Schulter klopfen und mich seeeehr belesen-intellektuell fühlen, hey-ho!
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